Ausstellung "Leidenschaften" - eine Bilanz

Im Vordergrund Brigitte Siebeneichler, im Hintergrund Laudator Ernst W. Kölnsperger
Im Vordergrund Brigitte Siebeneichler, im Hintergrund Laudator Ernst W. Kölnsperger

 

Am 30. August 2021 erschien im Münchner Merkur eine sehr schöne Besprechung unserer Ausstellung „Leidenschaften“, die noch bis zum 5. September zu sehen ist. Wir möchten diese hier zitieren und mit einigen Fotografien, die während der Vernissage entstanden sind, die Impressionen der Autorin Alexandra Korimorth abrunden. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!

 

 

Ausstellung: Brigitte Siebeneichler und Günter Unbescheid zeigen „Leidenschaften“

 

Von Alexandra Korimorth

 

 

Abstrakte Gemälde und Fotografien sind im Seeforum in Rottach-Egern eingezogen: Brigitte Siebeneicher und Günter Unbescheid zeigen dort ihre Ausstellung Leidenschaften.

 

Rottach-Egern – Im Rottacher Seeforum ist seit Sonntag zu bestaunen, welch spannende Symbiose abstrakte Malerei und künstlerische Fotografie eingehen können: In einer Doppelausstellung mit dem Titel Leidenschaften zeigt Brigitte Siebeneichler einen Querschnitt aus ihrem reichen malerischen Schaffen, Günter Unbescheid eine kleine Auswahl seiner faszinierenden konstruktivistischen Fotokunst.

 

In seiner Begrüßung freute sich Rottach-Egerns Bürgermeister Christian Köck, dass die arg gebeutelte Kunst-Branche aus ihrer Schockstarre langsam, aber sicher wieder heraus in eine gewisse Normalität komme. Ernst W. Koelnsperger, Kunsthistoriker aus München, stellte Unbescheid in seiner Laudatio als Künstler vor, dessen Werke die Gesetze der Schwerkraft vergessen machen, dem es nicht um die äußere Form gehe, der die Lust des Schauens und Entdeckens erwecke und einen neuen Blick auf die Welt freigebe und der ein freies Spiel der Perspektive ermögliche. Brigitte Siebeneichler bezeichnete er als Künstlerin, deren Malerei vom Heiteren und Schwungvollen geprägt sei und häufig ins Lyrische hineinreiche. Ihre Arbeit sei gespeist aus sinnlichen Erfahrungen und eine Synthese unterschiedlicher Sinneseindrücke. Tauchen wir ein in die beiden Wunderwelten, lud Koelnsperger ein.

 

In 20 Werken in Acryl oder Gouache auf Leinwand oder Papier entwirft Siebeneichler eine Welt der freien Formen und Farben, scheinbar ohne Grenzen und ohne Gesetze. Das größte Bild der Ausstellung misst stolze zwei mal zwei Meter, heißt Gipfelglück, ist vorwiegend in Blau gehalten und verströmt Gefühle von Freiheit, Luftigkeit und Schwerelosigkeit. Auch die anderen Exponate sprechen überzeugend von der malerischen Freiheit, die sie sich nimmt und die sie verströmt. Ich kann nicht mehr Klein-Klein malen, bekennt die aus München stammende und in Rottach-Egern ansässige Malerin. Seit 40 Jahren frönt sie der abstrakten Malerei frönt und kann auf ein umfangreiches Werk verweisen. Ihre gestisch-impulsive Malweise verfeinerte sie in den vergangenen Jahren bei Größen wie Markus Lüpertz, Günter Förg und Jerry Zeniuk.

 

Einen totalen Gegensatz dazu liefert mit seinen elf ausgestellten Schwarz-Weiß-Fotografien der in der Jachenau wohnhafte Günter Unbescheid. Er reichert seine Arbeiten mit grafischen Elementen an und schafft damit völlig neue und faszinierende Bildwelten. So schafft er etwa aus der wabenartigen Struktur der inneren Dachkonstruktion der Holzkirchner Pfarrkirche St. Josef eine Arbeit mit einer ganz eigenen, auf eine neue Ebene der Fotografie gehobenen Realität, die althergebrachte Wahrnehmungsmuster hinterfragt.

 

Durch die eingesetzte Technik der Solarisation, bei der der Grauwert umgekehrt wird, erzielt er einen zusätzlichen Effekt. Als weiteres Beispiel möge aus der Serie Zugespitzt eine Kapelle in der Eiffel dienen: Die dreieckig-spitze Form der Eingangstür wurde mittels Mehrfachbelichtung optisch multipliziert und ergibt so ein imponierendes grafisch-geometrisches Bild mit unzähligen feinen Graustufen.

Die Ausstellung im Seeforum ist bis Sonntag, 5. September, täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf kommt der Kunststiftung Siebeneichler, die Brigitte Siebeneichler selbst gegründet hat, zur Unterstützung bildender Künstlern zugute.“